Und wieder einmal ist Sonntag Nachmittag. Meine groesse Leistung heute war Briefmarken kaufen. Und das war im Fall wirklich eine Leistung. Den es gibt nur eine Post in der Stadt (behaupten auf jeden Fall alle und ich hab auch wirklich noch keine andere gesehen.) und die ist ziemlich weit weg. Und dann ist die soo gross und hat soooo viel verschiedene Schalter. Und die Briefmarken werden da verkauft wo ich es am wenigsten vermutet haette, hat wie ein Kiosk ausgesehen. Also, mal gucken, wie lange die jetzt gehen, 2 Wochen plus habe ich gelesen. Fuer alle die jetzt auf eine warten und die kommt einfach nicht, liegt das nicht daran, dass ich keine geschrieben haette, sondern, dass der Postmann sie gegessen hat. ;-)
Gestern bin ich das erste mal Elektrischka gefahren (Vorortszug). Kein Wunder dauerte die Fahrt laenger als eine halbe Stunde, bei diesem Tempo. Bist fast so schnell mit laufen. Ich mit einer Kollegin von der Schule und ihrer russischen Bekannten zum Peterhof gefahren. (Den, den ich vor einer Woche verschlafen habe.) Das hat sich wirklich gelohnt, so schoen.) Ein riesen Park von Peter dem keine-Ahnung-wievielten angelegt, gerade am Meer. Goldige Springbrunnen und viel viel Natur. Und dann hat Mascha (eben die russische Bekannte) uns zu sich nach Hause mitgenommen und gefuettert. Echte russische Gastfreundschaft, so herzliche, liebe Menschen!
Meine Zeit hier in St. Petersburg rueckt ja bald dem Ende entgegen, desshalb ist es an der Zeit fuer einen Rueckblick.
Das ist St. Petersburg fuer mich:
Definitiv die groesste Stadt in der ich je war. Die Ausmasse sind riesig und es hat so viele Menschen. Aber sehr beeindruckend wie alles funktioniert. Wie jeder seinen Platz im Gefuege hat.
Es gibt so viele Hochglanz-Sachen, neu restauriert zum 300 Geburtstag der Stadt im 2003, die ganzen Palaeste und Museen. Aber eigentlich gefallen mir ganz andere Sachen. Fruehlings-Erwachen in den Plattenbau-Siedlungen. Als ich gekommen bin war noch alles grau, inwischen ist das Laub in den Baeumen gesprossen und die Tulpen bluehen.
Transport ist so eine ganz eigene Sache. Die Metro ist super leistungsfaehig und die Stationen im Untergrund teilweise super schoen. Am Besten gefaellt mir die Ploschad Aleksandrievskova (dort fahre ich immer durch), die ist ganz in rot gehalten, mit 1 qcm Steinchen ein riesen Mosaik gelegt. Busfahren ist stinkig und voll gestopft (die Ticket-Verkaeuferin im Bus vom Samstag hat nach Bier und Schweiss gestunken, und das am 1 Uhr). Marschrutka fahren ist ohne Russisch Kenntnisse sehr schwierig. Tram bin ich noch nicht gefahren, moechte ich aber auch nicht, denn die sind soo alt und gwagglig, da habe ich respekt, dass die dauernd aus der Schiene fallen.
Essen ist erstaunlich guenstig. Von den wirklich einheimischen Sachen bin ich in den Genuss von Pfannkuchen (heute wieder mal zum Morgenesse), Suppe (normale, keine mit Fisch oder Roter Beete) und buntem Gebaeck gekommen. Alles gut! Und natuerlich habe ich viele viele mal "Kotletti" gehabt, =Hackdaetschli, alles was aus Hackfleisch besteht. Die Kohlsuppe und der Kabis blieben mir bis jetzt erspart. Aber ich vermisse ganz riesig einen richtigen gruenen Salat, den bekommt man in keinem Restaurant.
Stoeckel-Schuhe. Soo viele sooo hohe Stoeckel-Schuhe. Dass man damit ueberhaupt laufen kann. Und uebrigens auch viele wirklich grosse Frauen (mit Stoeggel sicher doppelt so gross wie ich ;-)). Irgendwas muss dann ja wohl drann sein, dass frau hier schauen muss, dass sie einen schlauen Mann bekommt, vorallem wenn er dann noch einwenig gut aussehen soll. Normale Russen sind naehmlich echt nicht huebsch! Und man sieht genau, dass Russland so ein grosses Land ist, eine nicht geringe Anzahl von asiatisch aussehenden Russen, die typischen mongolisch-chinesischen Gesichtszuege. Das ist sowieso super spannen, auf dem Weg die Metro-Rolltreppe rauf und runter einfach den entgegenfahrenden Menschen Strom beobachten. Und sich immer wieder fragen, wieso so viele an einem vorbei nach untern springen (in einem riesen Tempo) und was waehre wenn einer straucheln wuerde.
Dass die Lebensmittellaeden und die Apoteken 24 Stunden offen sind, das verstehe ich ja, aber wieso eigetnlich die Blumenlaeden. Und sieso gibt es sooo viele Bluemenladen? Und hier gibt es die langweiligsten Jobs, die ich gesehen habe. Den ganzen Tag in einem kleinen Haeuschen am Ende der Rolltreppe von der Metro sitzen und nicht einschlafen, nicht lesen, nichts machen. Jede Rolltreppe in der Metro (und es hat dann viele) wird bewacht von einer meist aelteren Dame. Aber wenigstens Job lautet da wohl die Devise. Die Arbeitslosigkeit soll bei etwa 20% liegen und der Preis fuer z.B. Milch sich im letzten Jahr verdoppelt haben (bei gleichen oder geringeren Loehnen). Kein Wunder dass die jungen Leute (wie Mascha) davon traeumen ins Ausland, nach Europa arbeiten und leben zu gehen. Aber Hauptsache alle Palaeste sind renoviert und vergoldet...