Was man in Potosi so macht ist eine Minen-Tour. Potosi liegt auf ueber 4'000 Meter ueber mehr, so nichts waechst und sich anpflanzen laesst. Die einzige Einnahmequelle aus der Natur sind die Minen. Vor Jahren waren sie der Grund von grossem Reichtum, heute versuchen sich 5000 Arbeiter damit irgendwie ein Auskommen zu erarbeiten. Gesucht wird nach Silber, Zink und eigentlich allem was es da gibt. Und es gibt eben nicht mehr viel, vielleicht 2% Silber und 8% anderes. Und gearbeitet wird unter steinzeitlichen Bedingungen, es gibt gerade mal eine Sauerstoff-Versorgung bis 4 Stoecke unter den Boden und Dynamit (und Pressluft-Haemmer).
Wir bekommen Ueberhosen, Ueberjacke, Helm und Stirnlampe. Und es wird uns nahe gelegt ein Tuch fuer ueber Mund und Nase zu kaufen. Zuerst geht es auf den Markt der Minenarbeiter, wo wir Koka-Blaetter, Softdrinks und Sprengstoff (!!!) fuer die Mineros kaufen; sowie Sprengstoff fuer uns zum am Schluss einfach mal so in die Luft sprengen. Jaja, Sprengstoff ist dort an jeder Ecke erhaeltlich und kostet komplett mit Zuender und Verstaerker-Zeugs 3 Fr. pro Stange. Wer will kann sich noch ein Fruehstueck fur so 0.60 Fr. (Nudeln, Fleisch und alles Moegliche) genemigen. Dann gehts aber los zu der Fabrik wo das abgebaute Gestein bearbeitet wird, will heissen, wo diese 10% wertvolles vom Muell getrennt wird. Ober-Steinzeitliche Anlage, welche die Trennung der einzelnen Metalle nicht ermoeglicht! Die 10% wertvolles werden als Gesammtes exportiert. Und dann gehts richtig los. Hoch den Berg und zum Eingang des Stollens. Was habe ich eigentlich erwartet? Es sieht aus wie ein Eisenbahntunnel, nur viel kleiner. Wir laufen rund einen halben Kilometer geduckt in den Berg hinein. Und dann gehts halb kriechend einen Stock tiefer. Und gleich noch einen. Es ist staubig und das Atmen faellt schwer. Weiter gehts durch ein Labyrint an Stollen und Pfuetzen, auf der Suche nach Arbeitern. Sie beginnen im Alter von so 13, 14 und fuer bis zu 35 Jahre, oder solange wie eben moeglich. Der Stollen durch den wir gekommen (oder eben besser gesagt gekrochen) sind ist einer der besseren Eingaenge. Den leichten Schwaefel-Geschmack habe ich gar noch nicht erwaehnt. Es wird gearbeitet soviel wie eben notwendig (alle arbeiten in Eigenregie, nix finden = nix verdienen). Wir treffen unter anderem auf einen Herrn welcher Schweiss-ueberstroemt riesige Balken in einen Schacht hoch hieft um den naechsten Stollen zu stuetzen, knall rote Augen. Keiner der Arbeiter spricht spanisch, unser Fuehrer uebersetzt von quetchua nach englisch.
Wir haben genug und gehen zurueck. Einfach nicht an Platzangst denken, sonst ergeht es einem wie dem einen Typ von unserer Gruppe. Ich bin froh sind wir endlich draussen! Ich habe das Tuch vor dem Gesicht mehrheitlich nicht getragen, weil ich einfach keine Luft bekommen habe. Das macht sich jetzt bemerkbar, ich habe den wohl schlimmsten Raucherhusten ueberhaupt und das fuer gegen zwei Stunden... Ach ja, dann haben die Jungs noch unseren Sprengstoff in die Luft gejagt, Buby spiele, Bupy gsund. ;-)
Gemeinsam mit dem spanischen Paaerchen und dem Amerikaner gehen Cara und ich essen. Ich liebe Lamas. Zum angucken, zum fotografieren, zum knuddeln, zum anziehen und zum essen. Lama-Schnitzel ist fein!!! Und es beginnt zu regnen und zu hageln. Die Strasse verwandelt sich in einen Fluss (KEIN WITZ). Barfuss durch Wasserpfuetzen springen ist eiskalt und der Nachmittag wird vor dem Fernseher im Hostel totgeschlagen. Am Abend undernehmen wir noch einmal einen Versuch in einheimischem Bier, Potosina und Bock sich einfach zum k*****. Nein, wir wollen nicht mit einigen Einheimischen in den Ausgang.
Und dann ist auch schon Sonntag und los gehts nach Sucre, wo ich mich von Cara trenne und bei einer neuen Familie einziehe. Haha, soviel spanisch habe ich noch nie in meinem Leben geredet, obwohl ich das doch gar nicht kann. Die Familie besteht aus einer Mutter, einer Grossmutter und einer 10 Jahre alten Tochter (welche deutsch in der Schule lernt). Na, es sind zwar 25 Min. laufen bis zur Schule, aber er waehre ja zu toll gewesen...
Heute ist Tag drei. Die Oma hat heute Mittag festgestellt, dass ich mich ja einwenig ausdruecken kann. Ich will es ja auch hoffen, ich hab schliesslich die letzten zwei Tage ueberhaupt nichts anderes gemacht als gebueffelt. 4 Stunden in einer Gruppe am Morgen (Super-Anfaenger), dann heim zum Mittagessen, Hausaufgaben machen und fuer 2 Stunden zum Einzelunterricht mit Fokus auf sprechen, dann heim, Abendessen, nochmal lernen und tod muede schlafen gehen. Jetzt gerade sollte ich eigentlich Verben lernen, aber ich mag gerade nicht und MUSS doch unbedingt diesen Blogeintrag schreiben. ;-)
Ist aber ganz witzig. Heute morgen sind wir mit der Klasse zum Markt und haben allerlei komische Fruechte gekauft, benamst, beschrieben und probiert. Komische Sachen gibts! Heute Nachmittag will ich lernen wie man Verben konjugiert (irgendwie lernen wir am morgen alles andere als das Essenzielle ;-)).
Mal gucken, wie weit ich in diesen zwei Wochen komme. Sucre ist uebrigens schoen, wenn die Sonne schein und es nicht gerade sau kalt ist. Die richtige Sightseeing-Tour habe ich allerdings auf das Wochenende verschoben, einfach keine Zeit!!! Aber mir geht es gut und ich bin motiviert. Hasta luego!